iPhone-Ladegerät am Fahrrad

Selten habe ich so ein schlecht dokumentiertes Produkt gesehen wie das jetzt neuerdings angebotene “Revolt”-Ladegerät von Pearl, das mit 29,00 EUR einen ganz attraktiven Preis bietet. Leider lässt der Werbetext auf der Verpackung, der in allen Online-Shops unmodifiziert wiedergegeben wird, wenig Rückschlüsse auf die tatsächliche Funktion. Auch die so genannte Bedienungsanleitung (einseitig auf einem Din-A-7-Zettel, also halbe Postkartengröße) erwähnt weder den Taster auf dem Gerät noch die beiden LEDs. Auch die beiden Steckkontakte sind so schlecht beschrieben, dass man schon ziemlich viel rätseln muss um zu erkennen, was wohin gehört.

Nachdem ich dann aber doch alles vorschriftsgemäß zusammengebaut hatte, entpuppte sich der Taster als Wechselschaltung zwischen Fahrradbeleuchtung und Ladefunktion. Ein gleichzeitiger Betrieb ist nicht möglich, laden bei Nacht fällt also aus und natürlich auch dann, wenn der Betreiber Befürworter des Tagfahrlichts ist. Der Sinn der LEDs, die an meinem Testgerät rot leuchteten, entweder flackernd oder konstant, blieb verborgen. Die “Krönung” war dann allerdings die Anzeige auf meinem iPhone “Aufladen mit diesem Zubehör nicht unterstützt”. Ja was sollte das denn?

Leider ist das Gerät außerdem nicht spritzwassergeschützt, soll aber am Lenker montiert werden. Nach dem ersten Regen dürfte es wohl hinüber sein. Positiv anzumerken ist lediglich die große Anzahl der beiligenden Adapter, mir denen man so ziemlich jedes gängige Gerät anschließen können sollte.

Dermaßen gefrustet habe ich nach brauchbaren Lösungen gesucht und das “E-Werk” von Busch und Müller gefunden, das allerdings zum stolzen Preis von über 100,00 EUR verkauft wird. An dem Gerät können Ausgangsspannung und -strom vorgewählt (begrenzt) werden, wobei maximal 13V 1,5A möglich sind. Ebenfalls liegen hier eine Vielzahl von Adaptern bei. Das Gerät ist außerdem spritzwassergeschützt, alle Kupplungen werden außerdem mit Gummitüllen verschraubt. Die Dokumentation ist vorbildlich und es ist möglich, gleichzeitig das iPhone zu laden während das Licht brennt. Soweit – so gut.

Der Test mit dem “E-Werk” brachte zu meinem großen Erstaunen die gleiche Fehlermeldung wie beim deutlich billigeren “Revolt” – “Aufladen mit diesem Zubehör nicht unterstützt”. Bei Busch und Müller fand ich schnell einen Ansprechpartner und es stellte sich heraus, das es (angeblich) “solche und solche” iPhones geben würde; die einen, die diese Fehlermeldung nicht produzieren, die anderen, die offenbar sensibler sind. Ob das stimmt? Ursache ist jedenfalls der Umstand, dass durch den Fahrraddynamo keine konstante Ausgangsspannung geliefert wird sondern die Spannung langsam von 0 bis zum voreingestellten Wert steigt. Das iPhone erwartet allerdings eine konstante Spannung von 5 Volt.

An dieser Stelle muss ich einmal darauf hinweisen, was ich erwarte. Nämlich dass ein Ladegerät für über 100,00 EUR mit einer Vorwahl von Strom und Spannung auch genau das liefert, was vorgewählt wurde. Dazu gehört m.E. auch, dass entweder 5V rauskommen oder nichts. Eine simple Obergrenze ist mit wenigen elektronischen Bauteilen realisiert und steht in keinem Verhältnis zum Verkaufspreis. Zumal die ganze Regelung für uns iPhone-&-Co-User überflüssig ist und eine konstante Spannung von 5 Volt wie beim “Revolt” ausreichen würde. Nicht ganz nachvollziehen kann ich auch die einstellbare Strombegrenzung. Das iPhone zieht nicht mehr Strom als es benötigt, wozu also eine Obergrenze festlegen?

Zurück zum Test – was nun? Geschäftstüchtig, wie man bei Busch und Müller zu sein scheint, schlug die Dame am Telefon vor, doch eine Pufferakku anzuschließen, den die Firma für ca. 60,00 EUR als Extra anbietet. Darauf habe ich dann dankend verzichtet und stattdessen einen Schalter aus der Bastelkiste in die Zuleitung gelötet. Nun schalte ich das Ladegerät erst während der Fahrt ein und das Laden funktioniert anstandslos.

Rückblickend würde ich bei einem erneuten Kauf wohl eher dem “Revolt” den Vorzug geben. Wenn man es parallel zur Beleuchtungsanlage anschließt, müsste bei entsprechend leistungsfähigem Dynamo (Nabendynamo) auch ein gleichzeitiges Laden mit Beleuchtung möglich sein. Und dass das Gerät nicht spritzwassergeschützt ist, würde mich nicht stören, da ich es sowieso in der Lenkertasche verstauen und schon wegen des Diebstahlschutzes nicht am Fahrrad belassen würde. kdg

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